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Mini

 

Mini




„Eine vierte Katze kommt mir nicht ins Haus.“ Machtwort meines Mannes.

Ich habe Katzenseiten-Verbot. Ich darf die ANAA-Newsletter nicht lesen, nicht auf die Vermittlungsseite unseres Tierheimes schauen, und vor allem nicht auf die von ANAA. Wir haben drei Katzen zu Hause, eine davon über ANAA aus Spanien vermittelt. Und ja – eigentlich reichen drei, mein Mann hat ja Recht.

„Du Schatz, ich muss dir was zeigen,” höre ich eines Abends vom ihm.

„Was denn?“

„Ich war auf der Katzenseite wegen der Spendengeschichte für den Link.“

Ich ahne schlimmes. „Dann zeig’s mir nicht, ich darf doch nicht gucken.“

Um das ganze abzukürzen: Mein Mann hatte die Geschichte von Mini gelesen, sich total verliebt in die kleine Maus und bereits eine Anfrage-Mail vorbereitet.

Soviel zu „drei Katzen reichen“.


Vorweg: Jede Katze ist anders, jede Behinderung ist anders – unsere Erfahrungen mit Mini und Fieps (eine einäugige Spanierin, ebenfalls von ANAA) sind wunderschön und wir möchten jeden ermutigen, sich gedanklich damit zu beschäftigen, auch einem Notfellchen eine Chance zu geben.

Gleichzeitig sollte so eine Entscheidung aber auch immer wohl überlegt sein. Gerade für eine behinderte Katze ist eine Vermittlung sehr schwer und daher ist eine Rückgabe ans Tierheim oder den entsprechenden Verein für ein solches Kätzchen ein ganz besonders schwerer Schlag. Auch muss jeder für sich selbst schauen, wir viel Zeit mein aufbringen kann und wie viel Zeit die besonderen Gegebenheiten der Behinderung erfordern.

Ein Vorabbesuch war nicht nötig, da wir ja Ajonjoli (wir nennen sie „Fieps“) schon vermittelt bekommen hatten, wir haben nur länger mit Kerstin telefoniert um alle offenen Fragen zu klären.

Ajonjoli (Fieps)

Ein paar Tage später schon konnte Mini mit dem Tiertransport von Madrid aus gen Deutschland reisen. Als wir Mini in Mayen abgeholt hatten, war sie wirklich noch ein kleines Häufchen Fell. Wir haben sie in unseren neuen Transportkorb umgesetzt und sind mit ihr nach Hause gefahren. Sie hat die ganze Rückfahrt über geschnurrt und sich durchs Gitter streicheln lassen.

Insgesamt war Mini zwar nicht nicht ganz sicher auf allen Vieren, das lag aber vor allem daran, dass sie einfach noch sehr klein und die Muskelmasse noch nicht wieder voll aufgebaut war. Aber die Versorgung bei ANAA war - genauo wie bei unserer ersten Katze - ganz große Klasse. Selbst unsere heimische Tierklinik fand nur anerkennende Worte für den sehr guten Zustand in dem sich die Kleine befand.

Wir haben sie die ersten sechs Monate regelmäßig zur Physio-Therapie gebracht (am Anfang jede Woche, dann alle zwei Wochen) wo sie eine Ultraschall- und Magnetfeldbehandlung genossen hat. Vom zeitlichen Aufwand und den Kosten war das gut verkraftbar und hat die Kleine sehr gut in der Wachstumsphase unterstützt. Auch haben wir von Anfang an darauf geachtet, dass sie zwar kräftig und stark wird - aber auf gar keinen Fall Fett ansetzt. Schließlich muss das gesunde Hinterbein bei ihr Schwerstarbeit verrichten und wir möchten eine Zusatzbelastung durch erhöhtes Gewicht auf jeden Fall vermeiden.

So konnten wir mit ein bisschen Aufwand und Futter-Disziplin dafür sorgen, dass die Kleine groß und stark geworden ist. Natürlich sind die "Spanier" generell etwas zierlicher, aber man sieht auf den Bildern und den Videos schon deutlich wie viel Mini gewachsen ist. Und was Kraft und Agilität angeht, hat sie unsere größten Hoffnungen absolut übertroffen: Außer bei der Sprungkraft steht sie unseren anderen drei Katzen in nichts nach.

Wir helfen ihr ein bisschen im Alltag durch verschiedene "Tritthilfen" die wir für sie positioniert haben. Es hat sich nach und nach rauskristallisiert, wo sie gerne hoch möchte, es aber ohne Hilfe aber nicht schafft. An den Stellen steht jetzt überall ein kleiner Helfer.

 

Zudem haben wir - allerdings nicht nur für sie sondern auch für Fieps, die nur ein Auge hat, das Geländer unserer Treppe vernetzt, so dass keine Absturzgefahr für die beiden behinderten Spanier besteht.

  

Wir hätten uns aber beim besten Willen nicht träumen lassen, was Mini für eine Kletterkünstlerin ist! Im Sommer schafft sie es problemlos das Katzennetz von unserem Balkon auf eine Höhe von 1,5m hochzuklettern und ist sogar geschickt genug, rückwärts wieder hinabzusteigen – und natürlich ist sie auch regelmäßig im Netz unserer Treppe "unterwegs". Es fasziniert uns immer wieder, wie viel Lebenswille und Energie in der kleinen Mini steckt!

Die Eingewöhnung war sehr unkompliziert, noch am gleichen Abend hatten sich alle Katzen kennengelernt. Fieps war erst sehr skeptisch und hat viel gefaucht – mittlerweile verbindet die beiden eine tiefe und innige Freundschaft und sie sind unzertrennlich.

 

Mini und Fieps spielen teilweise mehrere Stunden am Tag miteinander. Sie balgen, sie jagen, sie kuscheln und sind einfach glücklich. Es ist immer wieder eine Freude, den beiden dabei zuzusehen oder sie zu einem gemeinsamen Spiel zu animieren.

  

Außer den Tritthilfen, der Ernährung und der etwas intensiveren Betreuung am Anfang gibt es kaum etwas, dass wir im Alltag berücksichtigen müssten, da Mini sehr gut klarkommt. Wir haben auch sehr schnell gelernt, sie so hoch zu nehmen und zu halten, dass ihr kaputtes Bein dabei nicht zu stark beansprucht wird. Auch haben wir immer ein etwas wachsameres Auge darauf, ihr nicht auf den zu drei Vierteln gefühllosen Schwanz zu treten.

Ansonsten ist zu Mini noch zu sagen, dass sie unglaublich kuschelbedürftig ist und am liebsten Stunden gekrault würde. Dabei schnurrt sie so laut, dass es eine wahre Freude ist.


Alles in allem haben unsere beiden ANAA Katzen uns sehr viel Freude geschenkt und wir sind überglücklich, den beiden (und natürlich unseren beiden "Deutschen") ein schönes Zuhause bieten zu können.


Gerade die ehemaligen Notfellchen geben einem so viel dafür zurück.

 
   
   
   
     
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
                                           


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